Dieses Outback macht mir tierischen Respekt, ansatzweise auch Panik. Also Teile davon. Weil Outback ist nicht gleich Outback, habe ich jetzt nach 10 Tagen und gut 3500 km einmal quer hindurch verstanden. Es gibt extrem viel Steppe oder Savanne oder Halbwüste, was auch immer da die genauen Unterschiede sind. Aber eben ewig viel Fläche mit wenig Bewuchs. Es gibt gigantische Wüsten, wie die Simpson-Wüste mit ihren kilometerlangen Sanddünen. Riesige Salzseen, wie der Hartsee, die so gleißend hell in der Sonne liegen, dass sie einen auch mit Sonnenbrille noch blenden. Gebirgsketten, wie die Mac Donnell Ranges, mit abgefahrenen Schluchten, ewig langen Wanderwegen und sogar Wasserlöchern mit fantastisch klarem kalten Wasser. Es gibt heiße Quellen, ausgetrocknete Flussbetten und Vorkommen an Gold, Kupfer, Opalen und keine Ahnung was noch. Irgendwo soll auch Sumpf und Regenwald sein. Die sind uns aber nicht unter die Augen gekommen.

Ja, und warum jetzt Respekt oder Panik? Wegen der Temperaturen zwischen 40-45 Grad tagsüber, der Menschenleere und der extrem mageren Infrastruktur. In Kombi mit: Wir haben absolut keine Ahnung vom Busch. Was uns diesen Trip als verschwitztes aber sonst doch ziemlich sanftes Abenteuer ermöglicht, ohne uns auch nur einmal die Lebensfeindlichkeit des Outbacks wirklich spüren zu lassen, ist unser Mietwagen.

Wir haben die letzten Tage über diverse Aboriginalstämme gelesen, die es geschafft haben in den diversen Ökosystemen des Outback zu überleben. Wir haben von den ersten europäischen "Entdeckern" gelesen, die hier bei nicht selten totaler Erschöpfung und Skorbut bis in den Wahnsinn oder Tod getappt sind. Wir waren in Cooper Pedy - einer riesigen Opalfundstätte, wo die Menschen wegen der gewaltigen Hitze auch heute noch unter Tage leben. Und wir sind einem Motorradfahrer begegnet, der auf seinem Roadtrip täglich 12 Liter Wasser trinkt und doch nicht pinkeln muss.

Das Outback kam mir die letzten 10 Tage oft monströs vor in seinen Ausmaßen und seinen Temperaturen. Auch wegen der Fliegen, die einem ständig in Augen, Nase, Mund und Ohren fliegen wollen (Mu hat drei von ihnen versehentlich verschluckt). Bei allem Respekt ist die Landschaft aber oft auch monströs schön gewesen. Vor allem in den frühen Morgenstunden, abends ab Sonnenuntergang und ansonsten ausm klimatisierten Auto heraus :D.

PS: Innovationsideen der letzten Tage, damit auch andere Newbies mit der Hitze besser klarkommen: Sitzkühlung statt Sitzheizung im Auto; Kühl- statt Wärmflasche fürs Bett, 2 in 1 Mosquitorepellent, der auch gleichzeitig Sonnencreme ist und Playlist mit Kältebezogenen Songs, z.B. You' re as cold as ice von Foreigner... ;)